Flugreisen, AUSTRALIEN

Walhaie, Wüsten und Wasserfälle: Auf Entdeckungsreise im Wilden Westen Australiens
Australien ist ein sehr beliebtes Reiseziel, nicht nur für Deutsche. Ich selbst bin zwei Jahre lang durch den ganzen Kontinent gereist, habe in Melbourne studiert und die lockere Umgangs- und Lebensweise der ‚Aussies‘ lieben gelernt. Der meiste Tourismus konzentriert sich auf die Strände der Ostküste, von Sydney bis Cairns und den Süden um Melbourne. Die Australier, die an der Ostküste in den Staaten Queensland, New South Wales und Victoria leben, haben oft selbst nur eine vage Vorstellung von ihren westlichen Nachbarn. Denn zwischen Ost- und Westküste liegen in Australien Tausende von Kilometern Wüste und unwegsames Gelände. Manche ‚Ostküstler‘ behaupten sogar, dass Westaustralien ein vollig neues Land sei, weil sie selbst noch nie dort waren!
Was hat der größte Staat des Landes wohl zu bieten?
Die am dichtesten besiedelten und meist besuchten Teile Australiens machen jedoch weniger als ein Drittel des riesigen Insel-Kontinents aus. Westaustralien ist der größte Staat der Nation und erstreckt sich über 2,529,875 Quadratkilometer, mehr als ein Drittel des Kontinents. Dennoch ist Westaustralien mit nur rund 2,6 Millionen Menschen sehr dünn besiedelt. Was befindet sich wohl in diesem riesigen Teil des Landes? Das möchte ich auf dieser Reise entlang der wilden Westküste Australiens herausfinden!
Reiseplanung in der Hauptstadt Perth
In Perth, der Hauptstadt Westaustraliens, angekommen erkundige ich mich in einem Reisebüro nach Optionen, um die Westküste hoch bis nach Broome, der kleinen Stadt im extremen Norden, zu reisen. Es besteht die Möglichkeit ein Auto zu mieten und Tag für Tag selbst die Tausenden von Kilometern, die oft zwischen den vereinzelten Tankstellen oder „Road Houses“ liegen, zu bewältigen. Da ich allein reise, und aufgrund der Gefahren wegen einer Panne liegen zu bleiben, nicht genug Benzin im Tank zu haben, oder meine Wasservorräte mitten im Nirgendwo – ohne jegliche Hilfe – aufzubrauchen, begeistert mich diese Option allerdings garnicht. Da ich die Küste sehen möchte, anstatt darüber hinweg zu fliegen, ist ein Flug, der knapp zweieinhalb Stunden dauert und zwischen 150 und 250 AUD kostet, auch nicht das Richtige. Die Fahrt mit dem öffentlichen Greyhound Bus würde 35 Stunden dauern und über 300 Australische Dollar kosten. Also entscheide ich mich schließlich für die nicht ganz günstige, aber sehr ansprechende Option einer geführten 6-Tages-Tour im Abenteuer-Bus der Firma „Western Exposure.“
Aufbruch im Morgengrauen
Früh am nächsten Morgen stehe ich mit den anderen Reisenden am Sammelpunkt und warte auf unser Abenteuermobil. Da die Sonne noch nicht ganz aufgegangen ist, sind alle noch etwas schüchtern und verhalten. Dies wird sich in den nächsten Stunden jedoch ändern. Alles beginnt damit, dass unser Bus endlich in die Haltebucht einbiegt. Mit einem strahlenden Lächeln und einem schwungvollen Satz von den Stufen zum Fahrersitz steht unsere Reiseführerin vor uns: Andrea, eine ansteckend lebensfrohe und energiegeladene Westaustralierin mit buntem Haarband, Wanderschuhen und bunten Strähnen im Haar. Voller Elan trällert sie uns allen entgegen: „Hello, everyone! How’s it going?“ „Wie geht’s,“ ist die typische australische Begrüßung, die keiner direkten Antwort bedarf. Bevor jemand aus dem Halbschlaf eine Antwort formulieren kann, wuselt Andrea schon wie eine fleißige Biene durch die Gruppe und beginnt Wanderrucksäcke in den Bus zu laden.
Hunderte von Kilometern geradeaus
Wenige Stunden später befinden wir uns mitten auf einem Highway, der ins Nirgendwo zu scheinen führt. Schon seit Stunden fahren wir geradeaus. Aber die Stimmung im Bus ist sehr heiter, mittlerweile sind alle der etwa 20 Teilnehmer in angeregte Gespräche mit dem Sitzpartner vertieft. Andrea sitzt mit freudiger Autorität an dem riesigen Lenkrad des Busses und ich bewundere sie für die Souveränität und das Selbstbewusstsein, dass sie als Fahrerin und zugleich einzige Begleiterin an den Tag legt. Ich habe einen Platz in der ersten Reihe ergattert. Ich sitze zwischen der gesprächigen Deutschen, Ina (natürlich bin ich auch hier nicht die Einzige Deutsche), der ruhigen Holländerin Christel und der rothaarigen Jane aus England, die gern lauthals lacht. Wir gackern wie die Hühner auf der Stange während Andrea uns eine nach der anderen Anekdote über peinliche Missgeschicke auf vorigen Touren erzählt. Dabei hat sie eine Hand am Lenkrad, mit der anderen gestikuliert sie wild in der Luft, wenn sie nicht schalten muss. Im Hintergrund singt die klangvolle Stimme von Tracy Chapman „Give me one reason“ und der gesamte Bus scheint mit der strahlenden Sonne aufgewacht zu sein. Dieser Roadtrip wird ein einmaliges Erlebnis werden, das weiß ich jetzt schon!
Pinnacles und Sandboarding in der Wüste
Unser erster Stop sind die „Pinnacles,“ eine Anreihung von Kalksteinsäulen inmitten einer riesigen gelben Wüste. Alle sind begeistert von den mystisch anmutenden Formationen, die aus dem Boden gewachsen zu sein scheinen. Allerdings ist niemand von Andreas Idee begeistert den Nationalpark in der glühenden Mittagshitze noch weiter zu erkunden. Mit einem herzhaften Lachen willigt sie ein zum nächsten Stop aufzubrechen und lädt uns alle wieder in den klimatisierten Bus ein. Die ganze Gruppe ist begeistert, als wir an einem langen weißen Sandstrand halten und in die erfrischenden Fluten springen können. Nach der willkommenen Abkühlung gehen wir am Nachmittag in den Dünen „Sandboarden.“ Dazu stellt, legt, kniet – oder wie in meinem Fall kugelt - man sich auf einer Art hölzernem Snowboard einen Sandhügel hinab, während der Rest der Gruppe die Eskapaden mit schallendem Gelächter und Rufen kommentiert. Für diesen Abend sind wir in dem kleinen Ort Kalbarri in einem Hostel untergebracht. Nachdem wir Andrea bei der Zubereitung des köstlichen Barbecues – einem typischen australischen Festmahl - und dem Abwasch geholfen haben (hierzu hat sie uns in Gruppen aufgeteilt), fallen wir totmüde in die Betten.
Der Kalbarri National Park
Früh am nächsten Morgen werden wir von einer ungebremst enthusiastischen Andrea beim Frühstück begrüßt und brechen kurz danach auf. Unser erster Stop heute ist der Kalbarri National Park. Um nicht in der größten Mittagshitze unterwegs zu sein, kommen wir schon morgens an. Wir wandern durch beeindruckende rote Felsenschluchten, durch duftenden Eukalyptus-Wald und kommen schließlich an einem Felsenbecken mit herrlich klarem Wasser an. Nachdem wir uns bei Andrea über Schlangen und Krokodile erkundigt und das OK erhalten haben, springen alle ins kühle Nass. Ich klettere die Felsen hoch und stehe unter einem kleinen Wasserfall. Es fühlt sich an als hätten wir die einzige Oase in der riesigen roten Wüste im Herzen/ Westen Australiens gefunden.
Shell Beach und Delfine in Monkey Mia
Am Nachmittag stoppen wir am Shell Beach, einem langen weißen Strand, der aussieht wie aus dem Bilderbuch! Meine kleine Digitalkamera kommt auf dieser Reise voll auf ihre Kosten: Ich schieße ein Postkarten-Motiv nach dem anderen. Der Name des Strandes stammt vom ‚Bodenbelag:‘ Als ich meine Hand ausstrecke und eine Handvoll aufhebe, stelle ich fest, dass der komplette Strand von Muschelstückchen anstelle von Sandkörnern bedeckt ist! Ein Highlight jagt auf dieser Tour das andere und am Abend treffen wir auf freundliche Delfine in Monkey Mia. Sie kommen im flachen Wasser, unter der Beobachtung der zuständigen Meeresbiologen, bis zu den Füßen der Besucher geschwommen, um sich Leckereien abzuholen. Wer kein Fan von Delfinen ist, kann den Sonnenuntergang über der wunderschönen Bucht genießen. Dabei muss man allerdings aufpassen, dass keiner der frei herumlaufenden Emus einem über die Schulter guckt und den Snack aus der Hand klaut.
Schnorcheln und Walhaie in Coral Bay
Am nächsten Tag folgt mein absolutes Lieblings-Erlebnis. Wieder brechen wir früh am Morgen vom Hostel auf, aber dieses Mal geht es nicht zum Bus, sondern aufs Boot. Wir gehen am Ningaloo Reef schnorcheln und danach mit Walhaien schwimmen – falls sie sich zeigen! Nachdem wir auf dem modernen Motorboot mit einem köstlichen Büffet verwöhnt wurden, gehen wir mit Weißspitzen-Riffhaien und Meeresschildröten schnorcheln. Ich habe das Gefühl, dass ich schon von den Hunderten von Eindrücken und bunten Farben des Riffs gesättigt bin, als der beste Teil des Tages beginnt: Die Walhaie wurden gesichtet! Schnell paddeln alle zurück zum Boot, legen die Floßen und Masken auf dem Deck ab und richten die Augen gen Horizont. Tatsächlich, man sieht riesige dunkle Körper, die an manchen Stellen sanft die Meeresoberfläche durchstoßen. Wir können es alle kaum abwarten ins Wasser zu kommen. Als es endlich los geht, sieht man vor lauter Platschen von Flossen erstmal überhaupt nichts außer Luftblasen. Doch plötzlich habe ich die anderen überholt; als ich durch den Schleier von Bläschen schwimme, offenbart sich vor meinen Augen ein unglaublicher Anblick: Ein 8-9 Meter langer Walhai gleitet lautlos durch die Sonnestrahlen, die das tiefe Blau des Ozeans durchfluten. Ich fühle mich wie in einem Traum und gleite wie gebannt neben dem riesigen Meeresbewohner entlang bis er schließlich, wie in Zeitlupe und unvergleichbar elegant in ungeahnte Tiefen abtaucht und langsam aus meinem Sichtfeld verschwindet. Selbst die Erinnerung an diese einmalige Begegnung treibt heute noch Tränen der Freude in meine Augen.
Obwohl ich kein großer Freund von organisierten Reisen bin, kann ich einen Trip entlang der Westküste Australiens wärmstens empfehlen! Dies ist sicher die tollste Art, um den riesigen westaustralischen Staat zu erkunden. Man hört von der erfahrenen Führerin einmalige Geschichten und Tips zum Leben in Australien und entdeckt mit Gleichgesinnten wunderschöne Ecken Australiens, die man wahrscheinlich selbst nie entdeckt hätte. Eine unvergessliche Erfahrung, die dir noch Jahre danach ein breites Lächeln auf die Lippen zaubern wird!