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Camino de Santiago - wandern auf dem Jakobsweg

Jakobsweg, SPANIEN

Camino de Santiago - wandern auf dem Jakobsweg

Camino de Santiago: zwischen armseligem Pilgerdasein und Komforturlaub

 

Zu populär, zu überlaufen, zu touristisch: natürlich hatten wir unsere Zweifel. Für echte Naturfreunde, denen individuelles Reisen alles ist, schien der Camino eine Spur zu kommerziell. Allerdings galt es in diesem Zusammenhang natürlich auch, jenes unwiderstehliche Potpourri aus facettenreichen Landschaftsimpressionen, reizvollen Dorfidyllen, historisch und kulturell reichen Städten und nicht zuletzt kulinarischen mediterranen Köstlichkeiten zu bedenken. Weiteres Plus war der Preis. Denn wie lässt sich Südeuropa sonst auf so kostengünstige und abwechslungsreiche Weise bereisen? Letztere war nicht nur aufgrund der zu erwartenden herrlichen Natur gewährleistet, sondern kam auch in Gestalt unzähliger Pilgerinnen und Pilger aus aller Herren Länder daher, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen zu dieser wohldosierten Kombination aus Wandern und Trekking entschieden hatten. Kurz und gut, unser Plan stand fest: potentielle Touristenmassen im schönen Monat September konnten uns nicht abschrecken. Zudem verließen wir uns ganz auf die Aussage erfahrener 'Peregrinos y Peregrinas', die immer wieder beteuerten, dass die Meseta häufig von Reisenden aufgrund ihrer angeblichen Eintönigkeit gemieden wurde. Auch dies konnte uns nicht an unserem Vorhaben hindern. Vielmehr bevorzugten wir die Schönheit, die sich auf der iberischen Hochebene in kleinen, scheinbar versteckten Details zu offenbaren schien. Gesagt, getan.

Eine Fahrt im Nachtbus: von Bielefeld nach Burgos

Reisen bildet und verbindet. Ein Statement, das sich bei schnellen Transportmitteln in der Regel nicht bewahrheitet. Denn hier bleibt bei all der Hektik kaum die Zeit für Begegnungen. Ein Grund, warum wir ausschließlich die langsame, - und kostengünstige -, Kunst des Reisens pflegen. In diesem Fall ist das eine Busfahrt, die morgens um 7.30 Uhr an der Station Bielefeld-Brackwede beginnt und nach rund einem Tag und 25 Minuten am nächsten Morgen um 7.55 Uhr in Burgos an der Estacion Bus C Miranda 4-6 endet. Für 148 Euro ist der Spaß zu haben und was für andere vielleicht eine große Unannehmlichkeit bedeutet, das ist für uns tatsächlich genau das: ein grenzenloses Vergnügen, das Raum für zahlreiche Überraschungen lässt. Schließlich verspricht bereits die Ansammlung einer ausgesprochen heterogenen Schar Reisender Stoff, der Bücher füllen könnte. Da wäre beispielsweise die junge Design-Studentin aus dem Jemen, die Freunde in Frankreich besucht und uns mit Selbstgebackenem versorgt und die rundliche ältere Frau, die den Camino bereits fünfmal gelaufen ist und sich nun erneut, diesmal ohne ihren jüngst verstorbenen Gatten auf den Weg macht. Es sind mit den Orten vor allem die Geschichten, die in Erinnerung bleiben, und von denen haben wir hier mehr als genug, so dass die Zeit wie im Flug vergeht.

 

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Erste Impressionen aus Burgos, der Stadt der Burgen

Was wäre eine Reise, - abgesehen von allen bereits genannten Elementen -, ohne landestypische kulinarische Köstlichkeiten? Diese erwarten uns, wie es sich gehört, bereits in dem kleinen Café an der Busstation in Burgos. Neben warmem Pan, Brot, oder alternativ belegten Brötchen, Bocadillos, darf natürlich der Queso de Burgos nicht fehlen. Dazu ein cremiger Café con leche und die nach der langen Busfahrt doch recht müden Geister erhalten schnell neuen Aufwind. Und dieser führt uns direkt zur Albergue Municipal de Burgos, die hinter der imposanten Kathedrale in der Calle Fernán González 28 liegt. Dieser Standort scheint uns wohlgewählt zu sein. Denn wer könnte bei dem Anblick jenes monumentalen gotischen Bauwerkes noch an irdische Dinge wie beispielsweise ein dringendes Schlafbedürfnis denken? Hier ist die Stelle, an der inbrünstige Peregrinos, oder die, die es werden wollen, in einen Zustand des sprachlosen Staunens verfallen. Zu gewaltig, zu facettenreich, zu schön ist die 1984 zum Weltkulturerbe erklärte Cathedral de Burgos mit ihren unzähligen Fassaden, Portalen und Türmen. Auf dem ausladenden Platz davor gibt es zahlreiche Bänke, auf denen man sich ausgezeichnet der Bewunderung hingeben kann. In den Abendstunden erfolgt dies idealerweise mit einigen Delikatessen, die man zuvor beispielsweise in dem Supermercado auf dem Plaza de Dia besorgt hat. Wir folgen diesem Ritual wie es sich gehört mit einer Flasche würzig-fruchtigem Marqués de Burgos Crianza, Jahrgang 2010. Zusammen mit einem Glas Oliven, dem obligatorischen Pan und einem Stück Serrano-Schinken ist das Abendbrot für uns angehende Peregrinos perfekt. Wer da noch behauptet, dass Reisen und Essen nicht ebenso wie das Duo 'Kultur und Reisen' untrennbar zusammengehören, unterliegt einem unverzeihlichen Irrtum. Denn an dieser Stelle hört das entbehrungsreiche Pilgerdasein auf und ein Genuss der ganz besonderen und nicht selten luxuriösen Art beginnt.

Die endlos erscheinende Meseta: Entschleunigung als Lektion, die gelernt werden will

Wandern und Trekking: so lautet das Vorhaben, das uns am nächsten Morgen erwartet. Wir haben den Wecker auf 7 Uhr gestellt. Eine meisterhafte Leistung, wenn man zu den Menschen zählt, die es gerne etwas ruhiger angehen lassen. Unsere mitstreitenden Peregrinos sind offenbar anderer Ansicht. Denn die Betten um uns herum sind leer. In den Waschsälen hören wir aufgeregte Stimmen, die offenbare Zeitnot beklagen. Ein lautes Türeschlagen wenige Augenblicke später signalisiert uns, dass wir nun alleine sind. Auch wir lassen nun mit der prachtvollen weißen Metropole Burgos die Etappe „Kultur und Reisen“ vorerst hinter uns und widmen uns stattdessen dem Wandern und Trekking. Und dieses Ansinnen führt uns nach mehreren Kilometern im eher unansehnlichen Stadtgebiet und an der Autobahn direkt in die Meseta, jene flache ausgedehnte Hochebene, die von vielen Pilgern mit einem gewissen Gefühl des Unwohlseins erwartet wird. Grund sind Erfahrungswerte von Menschen, denen nach all dem Lärm und der Hektik in ihrem Leben die plötzliche Stille offenbar auf die Nerven schlägt. Natürlich ist an dieser Stelle nicht zu leugnen, dass die scheinbar immer gleiche Landschaft nur wenige Anhaltspunkte liefert, die darauf verweisen, dass man seinem Ziel näher rückt. Doch vielleicht liegt gerade hierin die Lehre dieser für uns unglaublich schönen Region, die in den heißen Septembermonaten von Braun- und Beigetönen dominiert wird und uns dabei in gewisser Weise an die Weite und Stille der Wüste erinnert. Weiße Wattewolken an strahlend blauem Himmel und das lustige Zwitschern von Vögeln, die man, auch wenn man sich im Kreise dreht, nicht sehen kann, runden das Szenario ab. Erhaben, übernatürlich und rein zeigt sich die Natur hier, so dass es leichtfällt, wieder an die Einheit der Dinge zu glauben und sich als Teil des Universums zu fühlen.

Einige unvergessliche Highlights auf dem Weg durch die Wüstenlandschaft der spanischen Hochebene

Dass die Meseta wie von vielen Peregrinos kritisiert, 'langweilig' ist, erscheint in diesem Zusammenhang schon fast blasphemisch. Denn hier zeigen sich, vorausgesetzt man hält die Augen offen, große und kleine Wunder in Form von winzigen leuchtenden Blumen, die sich munter einen Weg durch das Einheitsbraun bahnen. Oder in jenem salamanderartigen Geschöpf, das uns auf besonders anschauliche Weise den offensichtlichen Frust der anderen Pilger deutlich macht. Denn kaum verlangsamen wir unseren Schritt und verfolgen wie gebannt die geschmeidigen Bewegungen des kleinen Reptils, da sind wir plötzlich von einer Schar Touristen mit gezückten Kameras umgeben, die offensichtlich aus dem Nichts zu kommen scheinen. Getrieben von dem Wunsch, endlich auf etwas Außergewöhnliches zu stoßen, das ihren Aufenthalt an diesem gottverlassenen Fleck Erde rechtfertigt, vergessen sie den eigentlichen Sinn dieser Pilgerwanderung. Es ist die Reise nach Innen, die hier im Zentrum stehen sollte und die mit der Meseta ein optimales Setting erhält. Ähnlich der buddhistischen Philosophie, dass der Weg das Ziel ist, bietet auch der Camino die unterschiedlichsten Möglichkeiten, sich selbst weiterzuentwickeln und aus dieser exklusiven Wanderschaft eine Lehre fürs Leben zu ziehen.

Und noch ein kleiner Tipp am Rande für all diejenigen, die in die durchaus lohnenswerten Fußstapfen zahlloser Peregrinos treten wollen: in Boadilla del Camino wartet eine besonders schöne private Herberge auf die müden Wanderer. Hier kann man im grünen Garten getrost die Seele baumeln lassen und sich nach der eintönigen und doch so faszinierenden Landschaft der spanischen Hochebene gebührend auf ein neues Kapitel aus den Kategorien „Reisen und Essen“ sowie „Kultur und Reisen“ einstellen. Denn hier wartet die Metropole Léon mit einer vergleichsweise großen Auswahl an Speisen für unbegrenzte Gaumenfreuden, einem abwechslungsreichen Kulturprogramm und natürlich eindrucksvollen Bauwerken wie dem Casa de Botines von Antonio Gaudí, der Basilika San Isidoro sowie der gotischen Kathedrale auf.

Individuelles Reisen auf dem Camino de Santiago ist folglich nicht nur eine mühselige Wanderung, sondern auch eine Gelegenheit zu interessanten Begegnungen mit anderen Reisenden, ein Fest für die Sinne und nicht zuletzt effektiver Balsam für Körper, Seele und Geist.

#Reisetipps

Über den Autor

Martin R

Ihr Experte für alle besonderen Reisen und Reisearten. Mein Lieblingsreisegebiet: Zentralasien.

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